Wir wollten ein Ende voller Hoffnung

Interview mit Regisseur Dan Svátek

In der tschechischen Filmbranche hat sich der Regisseur und Produzent Dan Svátek mit seinen 42 Jahren schon längst einen Namen gemacht. Im Juli kommt sein neuster Film in die Kinos: der Streifen „Das Lächeln der traurigen Männer“ (Úsměvy smutných mužů), an dessen Drehbauch Svátek mitgeschrieben hat, ist ein bittersüßes Sozialdrama aus dem böhmischen Norden. „Vor der Premiere bin ich nervöser, als wegen der gesamten Dreharbeiten“, meinte Dan Svátek gegenüber tschech.news. Mehr über seinen neuen Film, dessen Entstehung und Finanzierung hat er unserem MItarbeiter Milan Mostýn erzählt.

Erlauben Sie mir anfangs eine eher persönliche Frage. In ihren Werken beschäftigen Sie sich vor allem mit Themen wie Drogen, Alkohol oder auch Intoleranz. Was fasziniert Sie am Rand der Gesellschaft?

Für mich sind die „Helden“ meiner Geschichten vor allem Menschen, die im gleichen Alter sind, wie ich. Ende der 1990 Jahre nahm ich zum Beispiel an einer Fahrrad-Expedition um die Welt teil. In Thailand lernte ich damals den tschechischen Heroinschmuggler Emil Novotný kennen, der auf seiner Reise um die Welt vom Weg abgekommen war. Und so entstand eine Geschichte, in der wir Novotnýs Aussagen mit den Informationen der Polizei konfrontierten. Mich interessierte dabei vor allem, was einen jungen Menschen dazu treibt oder motiviert, Drogen aus einem asiatischen Land zu schmuggeln, das solche Vergehen sogar mit dem Tode bestrafen kann. Ähnlich war es beim „Heparin-Mörder“, wo mich die Geschichte eines jungen Krankenpflegers faszinierte, der sich entschloss, das Schicksal seiner Patienten in die eigenen Hände zu nehmen. Ich würde also sagen, mich faszinieren die Geschichten und Schicksale von Antihelden.

Selbst sind Sie dabei doch eher ein optimistischer und frei denkender Mensch…

Je älter ich werde, desto bewusster wird mir, wie überflüssig es doch ist, sich mit Dummheiten und negativen Dingen zu beschäftigen. Viel lieber genieße ich schöne Zeiten mit Freunden und Familie. Aber manchmal reicht ein Augenblick und alles ist ganz anders, wie man es sich vorgestellt hat. Der Vergänglichkeit des Glücks bin ich mir also bewusst, bleibe aber dennoch optimistisch.

Ihr neuer Film „Das Lachen der traurigen Männer trägt den Untertitel Notizen aus der Heilanstalt. Dort kämpfen die Helden des Films mit dem Dämonen Alkohol. Dieses Thema hat, wie Sie sagen, schon länger in Ihnen gereift. War das ein schwerer Prozess?

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Josef Formánek. Den habe ich vor Jahren im Zusammenhang mit einem anderen Projekt kennen und schätzen gelernt. Später endete Josef dann in einer Entzugsklinik, in der dann sein Buch entstanden ist, das wir jetzt verfilmt haben. Noch als Josef mit dem Manuskript des Buches beschäftigt war, begannen wir gemeinsam, das Drehbuch zu schreiben. Vielleicht habe ich deswegen Lampenfieber vor der Premiere, weil ich gegenüber Josef und seiner Geschichte eine enorme Verantwortung empfinde.

Der Film wird als Tragikomödie bezeichnet. Die Tragik ist Film ist vorhersehbar. Aber inwiefern bringt uns der Film zum Lachen?

Es gibt einige witzige Szenen, die allerdings nur solange lustig erscheinen, bis man sich der Zusammenhänge bewusst wird. Hier haben die Schauspieler ganz tolle Arbeit geleistet. Die Szenen sind aber vor allem deswegen witzig, weil der Zuschauer sie nicht erwartet. Deshalb will ich auch nichts Weiteres verraten.

Im Film geht es um eine Gruppe von Männern, die ihre Alkoholsucht mit einer Sucht nach Sport ersetzen, mit dem Laufen. Warum gerade Laufen und warum musste es gleich en Marathon sein?

Wir haben lange nach einem passenden Ende gesucht. Wir wollten ein positives Ende, eines voller Hoffnung. Zum selben Zeitpunkt wurde Josef Formánek vom Tschechischen Fernsehen angesprochen, ob er sich nicht für die Sendung „Parta maratonu“ für einen Marathon vorbereiten würde. Und da hatten wir unser Ende. Aber wie Josef sagt, über eine Sucht hat man nie gewonnen. Und darum geht es in unserem Film.

Der Film spielt in Nordböhmen, konkret in der Region Ústí nad Labem (Aussig an der Elbe). Wie haben Ihnen die Dreharbeiten dort gefallen?

Ich war unheimlich überrascht, wie schön diese Region ist und was für abwechslungsreiche Ecken sie uns Filmemachern zu bieten hatte. Eine weitere positive Erfahrung machten wir dann mit dem Filmbüro Ústí, die uns toll geholfen haben, Lokalitäten für die Drehs zu finden.

Oft scheitern filmerische Träume an den Finanzen. Selbst haben sie schon angedeutet, dass es einige Zeit gedauert hat, bis die Finanzierung des Lächelns der traurigen Männern stand. Verraten Sie uns, wie viel Geld sie zusammenbringen mussten?

Unser Film ist das, was man als „low-budget“ bezeichnet. Dennoch hat er fast 15 Millionen Kronen verschlungen. Die Gelder haben wir nur sehr langsam zusammen bekommen. Aber wenn ich ehrlich sein soll, hatten wir nicht nur Glück mit dem Wetter während der Dreharbeiten, sondern auch mit unseren Partnern und Co-Produzenten. Mein großer Dank gehört der Firma Centropol aus Ústí, dank der wir den Film fertig machen konnten.

Josef Formánek, auf dessen Geschichte der Film basiert, bezeichnet sich selbst als Patriot von Ústí. War es vielleicht die Liebe zu Stadt und Region, in der Formánek und Centropol-Inhaber Aleš Graf eine gemeinsame Sprache gefunden haben? Centropol ist ja dort oben bekannt dafür, kulturelle und sportliche Projekte zu fördern, die die Region Ústí propagieren.

Ja, es hat halt einfach alles gepasst. Wir haben gemerkt, dass wir ähnliche Interessen, Meinungen und Ziele vertreten. Das hat unsere Zusammenarbeit umso einfacher und fruchtbarer gemacht.

Wie Sie schon sagten, haben Sie schon Lampenfieber vor der Premiere am 11. Juli. Die Kritiken sind bislang ja sehr aufbauend, jetzt geht es aber um die Zuschauer…

Ich habe vor Premieren immer Lampenfieber und bin gespannt, wie der Film beim Zuschauer ankommen wird. Wir glauben, dass der Film auch die Energie ausstrahlen wird, die wir in ihn investiert haben und auch den Einklang, den wir bei den Dreharbeiten erleben durften. Aber das letzte Wort hat der Zuschauer.

Dan Svátek
Der Regisseur, Produzent und Autor (1975) hat mit dem Lächeln der traurigen Männer seinen inzwischen fünften abendfüllenden Film gedreht. Sein Thriller Occams Rasierklinge, war 2012 beim Filmfestival in Monaco in mehreren Kategoerien für die Goldene Nymphe nominiert.

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