Navalis: Johannisfest auf der Karlsbrücke

Am 15. Mai findet die jährliche Feier des heiligen Jan Nepomuk statt

Die einzige Bronzestatue auf der Prager Karlsbrücke, gleichzeitig auch die älteste, zeigt den Heiligen Johannes von Nepomuk, auf Tschechisch svatý Jan Nepomucký. Der aus Westböhmen stammende Priester wurde laut Legende auf Befehl des Königs Wenzel IV. von der Prager Karlsbrücke ins Wasser gestürzt, weil er sich weigerte, das Beichtgeheimnis zu brechen. Nepomuk habe dem Herrscher nicht verraten wollen, was dessen vom König der Untreue verdächtigte Frau ihm anvertraut hatte. Deshalb habe Wenzel ihn foltern und anschließend ertränken lassen.

Der heilige Nepomuk gilt daher als Märtyrer und wird verehrt als „Brückenheiliger“ und Schutzpatron des Beichtgeheimnisses, für Verschwiegenheit und gegen Wassergefahren. Für viele Katholiken ist er auch Schutzpatron der Beichtväter, Priester, Schiffer, Flößer und Müller.

Gleichzeitig ist er Schutzheiliger der Länder Böhmen und Bayern, der Städte Prag, Salzburg, Seckau, Correggio Santander sowie des Banat, einer historischen Region in Südosteuropa. Zahlreiche Kirchen tragen seinen Namen und seine Hilfe wird erbeten bei Wasser- und Reisegefahren sowie gegen Verleumdung und Gefährdungen der Ehre und Diskretion, sowie als Helfer für Verschwiegenheit.

Es ist ein alter Brauch der Besucher Prags, die Reliefs an der Statue des Heiligen auf der Karlsbrücke zu berühren. Laut Legende soll das nämlich Glück bringen. Eingeweihte praktizieren sogar ein noch komplizierteres Ritual. Sie gehen noch ein paar Schritte weiter Richtung Altstadt zu einem Doppelkreuz mit fünf Sternen, das sich auf dem steinernen Geländer befindet und von einem kunstvollen Gitter umgeben ist, auf dem der Heilige in einer liegender Position abgebildet ist. Von hier aus soll Nepomuk in die Moldau geworfen worden sein. Der Aberglaube besagt, man soll jeden Stern mit dem Finger berühren und dann die linke Handfläche auf das Kreuz legen. Was man sich in diesem Moment wünscht, soll einem in Erfüllung gehen.

Die erwähnten fünf Sterne sollen in der Nacht, in der Nepomuk getötet wurde, über der Moldau erschienen sein. Deswegen haben Statuen des Heiligen üblicherweise einen Heiligenschein mit fünf Sternen.

Der Heilige steht im Mittelpunkt des Navalis-Festes, das am 15. Mai, am Vorabend des Tages des heiligen Johannes Nepomuk, stattfindet. In diesem Jahr beginnt das Hauptprogramm um 20:30 Uhr mit einer Regatta von allegorisch geschmückten Booten, wobei fünf Fallschirmspringer im Wasser landen werden, und einem Konzert, wobei das Orchester auf einem Lastkahn spielt. In diesem Jahr werden auch zwei historische und reich verzierte Gondeln aus Venedig dabei sein. Der Abend endet um 22 Uhr mit einem großen Feuerwerk an der Moldau.

Bereits um 18 Uhr findet eine Messe im Veitsdom auf der Prager Burg statt, gefolgt um 19:15 Uhr von einer bunten Prozession, die von der Kathedrale entlang des Königswegs über die Karlsbrücke führt.

Die auf der Karlsbrücke beheimateten Straßenverkäufer müssen ihre Stände vor der Ankunft der Prozession von der Brücke entfernen, damit dort sowohl Teilnehmer, als auch Zuschauer Platz haben. Es ist zu erwarten, dass sich die Karlsbrücke schnell mit Menschen füllen wird, man wird aber eine gute Aussicht auf die Prozession vom Aleš-Kai (Alšovo nábřeží) haben.

Das Johannisfest Navalis wurde 2009 nach langer Pause erneuert, hat aber seine Wurzeln in einem barocken Fest, das zur Feier der Heiligsprechung von Johannes Nepomuk im Jahre 1729 veranstaltet worden war. In der Barockzeit war dieses Fest eines der größten und spektakulärsten in Böhmen. Pilger aus ganz Europa kamen, um den heiligen Nepomuk zu ehren, um an der Moldau der Musik zu lauschten und das Feuerwerk zu bewundern.

Das kunstvolle barocke Hochgrab des Heiligen ist im Veitsdom auf der Prager Burg zu finden und wurde in den Jahren 1733 bis 1736 nach Entwürfen Joseph Emanuel Fischer von Erlachs und nach dem Modell des Bildhauers Antonio Corradini vom Silberschmied Johann Joseph Würth gestaltet.

Die Nepomuk-Statue auf der Karlsbrücke wurde vom damals jungen Bildhauer Johann Brokoff aus Holz gefertigt nach einem Gipsmodell des Wiener Bildhauer Mathias Rauchmiller aus dem Jahr 1681. Der Abguss aus Bronze wurde dann von Hieronymus Herold in Nürnberg hergestellt und die Statue 1683 auf der Karlsbrücke platziert, noch bevor Nepomuk offiziellen heiliggesprochen wurde.

Auf dem Sockel der Statue sind drei Reliefs zu finden. Auf dem einen ist König Wenzel IV. zu sehen, wie er aus der Ferne die Beichte seiner Frau beobachtet und dabei seinen Hund streichelt. Das zweite Relief zeigt den Sturz Nepomuks in die Moldau, und das dritte ist der lateinische Text der Widmung der Statue.

Auf vielen Brücken in Mitteleuropa sind Statuen des heiligen Nepomuk zu finden, manche sind sogar Kopien der Vorlage von der Karlsbrücke. Und einige Brücken tragen den Namen des Heiligen und heißen Nepomuk- oder Johannisbrücken.

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