Prag war schon immer eine Vielvölkerstadt

Jan Čižinský, Spitzenkandidat der Initiative Praha sobě und Bürgermeister des siebten Bezirks

„Prag war schon immer eine Vielvölkerstadt“  meint Jan Čižinský, Spitzenkandidat der Initiative Praha sobě und Bürgermeister des siebten Bezirks. Im Gespräch mit tschech.news legt er seine Pläne für die Moldaumetropole dar.

Mit Ihrer Bürgerinitiative Praha sobě (Prag für sich) haben Sie der Prager Kommunalpolitik eine neue, zivilgesellschaftliche Dynamik gegeben. Jetzt geht es ums Ganze, die Wahllokale öffnen heute Nachmittag. Was möchten sie in der tschechischen Hauptstadt ändern? Welche Prioritäten setzen Sie in Ihrem Wahlprogramm?


 Die Prager Politik ist nichts Neues für mich. Seit 2014 bin ich Stadtrat in Prag und Bürgermeister des Stadtbezirks Prag 7. Und dort haben wir mit unserer Initiative Praha sobě gezeigt, dass wir auch für komplizierte Probleme Lösungsansätze ausarbeiten können. So haben wir im Bezirk das Rathaus offener und transparenter gemacht, auch indem wir die Möglichkeiten sozialer Netzwerke nutzen. Wir haben hunderte städtischer Wohnungen renoviert und bewohnbar gemacht, wir haben Schul- und Kindergartenplätze für jedes Kind in Prag 7 geschaffen, wir unterstützen sozial schwache Familien im Bezirk und haben einen Weg gefunden, unsere Straßen und Grünflächen effektiv und günstig sauber zu halten und gleichzeitig Arbeitsplätze zu schaffen. Diesen Ansatz würden wir jetzt gerne auf dem Prager Magistrat weiterführen. Konkret stehen wir für bezahlbaren Wohnraum, wollen, dass unsere älteren Mitbürger Pflege und Unterstützung vor Ort finden können, um so lange als möglich unabhängig leben zu können und möchten weiter in Schulen und Kindergärten investieren, wozu auch ein besseres Gehalt für Lehrer und Erzieher gehört. Eine weitere Priorität ist die Rekonstruktion der Prager Moldaubrücken und, wo nötig, der U-Bahnstationen. Um den Verkehr in Prag zu entlasten, wollen wir auch ein effektives Park and Ride-System einführen.

Da haben Sie sich ja einige Baustellen vorgenommen. Was aber betrachten Sie als die dringlichsten Probleme, vor denen Prag heute steht?

Das größte Problem stellen die hohen Immobilien- und Mietpreise dar. In Prag zahlt man pro Quadratmeter mehr als in München, Berlin oder Wien. Oder auch Rejkjavik, Den Haag oder Brüssel. Dabei ist das Prager Durchschnittseinkommen um einiges niedriger als in diesen Städten. Zweites ächzt die Stadt unter ihrem Verkehr. Allein auf der Südtagente fahren täglich über 200 000 Autos. Im Stadtzentrum ist es zwar die Hälfte, aber 64 000 Autos täglich zwischen I.P. Pavlova und der Nusle-Brücke geben der Stadt und ihren Einwohnern auch ganz schön zu schaffen. Last but not least möchten wir Wege finden, die Auswirkungen des Tourismus in Prag etwas zu erleichtern. Jährlich besuchen etwa sieben Millionen Menschen unsere Stadt. Das bringt nicht nur Probleme, wie ein überfülltes Stadtzentrum, laute Junggesellenabschiede oder Nepp. Sondern trägt dazu bei, die ohnehin prekäre Wohnsituation noch weiter zu verschlechtern. Zum Beispiel durch Airbnb, dank dem den Pragern weniger Wohnraum zur Verfügung steht, vor allem im Stadtzentrum.

Wohnraum scheint eines der wichtigsten Themen dieses Kommunalwahlkampfes zu sein. Kein Wunder, seit den letzten Wahlen 2014 sind die Wohnungspreise um 30 Prozent gestiegen. Was können und möchten Sie unternehmen, um Pragern und denen, die es ohne allzu dickes Bankkonto werden wollen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?

Um dieses Problem zu lösen sind mehrere Schritte nötig. Die Stadt selbst muss den Neubau von Wohnungen unterstützen, gleichzeitig aber auch mehr städtischen, also bezahlbaren Wohnraum schaffen. Momentan sind nur fünf Prozent der Prager Immobilien in städtischer Hand. Airbnb ist ein weiteres Problem, da hier Wohnungen nur unternehmerisch genutzt werden.

Jeder sechste Bewohner Prags ist Ausländer, wobei EU-Ausländer in den Kommunalwahlen heute und morgen wählen dürfen. Ist man auf dem Prager Magistrat oder auch bei Praha sobě bewusst, wie kosmopolitisch es hier an der Moldau zugeht? Wie sprechen Sie die ausländischen Prager in ihrem Wahlprogramm an?

Praha sobě sind, jedenfalls soweit mir bekannt ist, die einzigen, die im Wahlkampf EU-Ausländer aktiv darüber unterrichtet haben, wie sie von ihrem Wahlrecht hier Gebrauch machen können. Überhaupt bringen wir die Kommunalwahlen auf unserer Website auf Englisch Ausländern näher. Für mich und Praha sobě kann ich sagen, wir sind uns bewusst, dass Prag schon immer eine Vielvölkerstadt war. Schließlich haben wir unsere Wurzeln in Prag 7, das heute ein internationaler Bezirk ist und gestern einer war. Wir sind uns bewusst, dass wir unseren ausländischen Pragern besser entgegenkommen könnten. Als wichtigsten ersten Schritt erachte ich eine Zweisprachigkeit, also Tschechisch-Englisch, weil Englisch inzwischen eine internationale lingua franca ist, für Prager Behörden und den öffentlichen Transport. Gegen mehr Sprachen würde ich mich aber auch nicht wehren. Einer der ersten Schritte, die wir nach unserem Wahlerfolg 2014 in Prag 7 eingeführt waren, waren Rubriken auf Englisch und Vietnamesisch im Amtsblatt Hobulet, das monatlich in allen Haushalten des Bezirks verteilt wird. Wir möchten, dass sich ausländische Prager auch für die Belange Prags interessieren.

Hat Praha sobě denn Ausländer unter den Kandidaten?

Wir haben einen. Aber wir heißen jeden willkommen, der sich in Prag daheim fühlt und sich für unsere gemeinsame Stadt engagieren möchte. Denn Kommunalpolitik geht uns alle an, die wir in dieser schönen Stadt leben, egal woher wir kommen.

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