„Verbindendes in Europa in den Fokus rücken“

Zukunftsfonds unterstützt deutsch-tschechische Zeitzeugenprojekte zum Mauerfall-Jubiläum.

Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds hat für das dritte Jahresquartal Fördermittel in Höhe von 843.000 Euro für weitere 159 deutsch-tschechische Projektinitiativen bewilligt. Darüber entschied der Verwaltungsrat des Fonds am Dienstag in Prag.
Unter den bezuschussten Vorhaben sind auch zahlreiche Projekte, die den 30. Jahrestag des politischen Umbruchs von 1989 thematisieren. „Wir freuen uns, dass zivilgesellschaftliche Akteure aus unseren beiden Ländern dies zum Anlass nehmen, sich das Verbindende in Europa zu vergegenwärtigen und wieder stärker in den Fokus zu rücken“, sagte Jindřich Fryč, Vorsitzender des Verwaltungsrats. „Viele Projektpartner suchen dafür den intensiven Dialog mit Zeitzeugen, deren Bedeutung nicht zu unterschätzen ist in einer Zeit, in der historische Kontexte zunehmend relativiert werden“, so der deutsche Co-Vorsitzende Martin Kastler.

 

Auswahl aktuell bewilligter Projekte:

1989 | 2019 Europäische Freiheitswochen

Das internationale Projekt der Europäischen Akademie Berlin und des Prager Partners Asociace pro mezinárodní otázky (AMO) sucht anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der politischen Wende von 1989 nach Gemeinsamkeiten in Europa und entwickelt Visionen für die Zukunft. In insgesamt 13 Veranstaltungen sollen mittels unterschiedlichster, auch innovativer Formate möglichst viele Zielgruppen angesprochen und miteinander ins Gespräch gebracht werden. Anhand von Story-Telling-Runden, Podcasts, Videogesprächen, historisch-kulturellen Stadtspaziergängen, Musik, Literatur, Diskussionen u.a. möchten die Veranstalter einer breiten Öffentlichkeit in Deutschland, Tschechien und Polen vermitteln, dass die Ereignisse des Jahres 1989 nicht nur im nationalen oder bilateralen Kontext von Bedeutung waren, sondern auch als Teil einer gesamteuropäischen Erfolgsstory zu betrachten sind.

Der Zukunftsfonds fördert das Projekt mit 8.820 Euro.


„Fuge der Erfahrung“: Lebensgeschichten in der Grenzregion vor und nach 1989

Das MitteleuropaZentrum der TU Dresden und der Verein Veřejný sál Hraničář aus Ústí nad Labem greifen das Jubiläum der Wende von 1989 auf und führen dazu Zeitzeugeninterviews im Dresdener Raum und in der Region Ùstí. Die Zeitzeugen repräsentieren dabei unterschiedliche Biografien und Berufsgruppen, sie werden befragt zu ihrer Lebenssituation vor und nach 1989. Die Interviews leisten damit einen grenzübergreifenden Beitrag zu dem viel diskutierten Thema entwendeter Biografien von Bürgern im ehemaligen Ostblock. Darüber hinaus dienen die Gespräche als Grundlage für eine deutsch-tschechische Theaterinszenierung, die auf beiden Seiten der Grenze präsentiert wird.

Der Zukunftsfonds bezuschusst das Vorhaben mit einer Summe von 10.000 Euro.


Geteilte Geschichte(n) – Gemeinsame Wege

In mehreren Begegnungen setzen sich deutsche und tschechische Jugendliche auf Initiative des Berliner Netzwerks Migration in Europa e.V. und seines tschechischen Partners Pragkontakt mit aktuellen Migrationsbewegungen auseinander. Dabei wird - bezugnehmend auf das Jahresthema 2019 - sowohl deren unterschiedliche Wahrnehmung in beiden Ländern als auch innerhalb ihrer Gesellschaften thematisiert. Ausgangspunkt ist die verbindende protestantische Migrationsbewegung aus dem 18. Jahrhundert, der man sich mittels einer Wanderung im deutsch-tschechischen Grenzland physisch und inhaltlich nähert. Bei den Begegnungen in Prag und insbesondere Berlin, stehen dann aktuelle Migrationsdynamiken im Vordergrund. Ziel des Projekts ist es, das aktuelle Narrativ zur Migration zu verändern und Grenzen zwischen geflüchteten Menschen und der ansässigen Bevölkerung abzubauen.

Die Zukunftsfonds gewährt für dieses Projekt eine Förderung in Höhe von 14.000 Euro.


Architektur des Zusammenlebens 

Der Prager Verein Artyčok.TV greift mit der Berliner StiftungFREIZEIT das Jahresthema des Zukunftsfonds („Mach mit! Gesellschaftliche Trennlinien überwinden“) auf und plant eine Dokumentarfilmserie zum Thema Soziale Architektur. Am Beispiel ausgewählter Lokalitäten in München und Ostrava wird die Problematik von Ausgrenzung und Benachteiligung in den Fokus genommen und konkrete Lösungsansetze im Bereich des sozialen Wohnens anhand von Best-Practice-Beispielen präsentiert. Dazu werden Interviews mit Architekten, Bewohnern und Vertretern der Stadtverwaltungen geführt.
Ziel des Filmzyklus ist es, eine neue Sichtweise auf soziale Nachhaltigkeit im urbanen Raum zu vermitteln.

Der Zukunftsfonds unterstützt das Vorhaben mit einer Fördersumme von 135.000 CZK.


Tschechisch-Deutsche Kulturtage 2019

Die Tschechisch-Deutschen Kulturtage haben sich in den 20 Jahren ihres Bestehens zum größten Festival tschechischer Kultur im Ausland und zu einer Drehscheibe des grenzüberschreitenden kulturellen Austauschs etabliert. Dem Zukunftsfonds ist daher sehr an der Fortsetzung dieses Festivals gelegen. Der diesjährige Jahrgang, der erneut von der Euroregion Elbe/Labe und dem Collegium Bohemicum ausgerichtet wird, bietet 85 Theater-, Film-, Literatur- und Musikveranstaltungen, Ausstellungen, Workshops, Vorträge und Diskussionen für die breite Öffentlichkeit beiderseits der Grenze. Thematischer Schwerpunkt sind der 30. Jahrestag des politischen Wende von 1989 und die damit verbundenen gravierenden Veränderungen und neuen Möglichkeiten für Kulturschaffende beiderseits der Grenze.

Der Zukunftsfonds fördert das Projekt mit 45.000 Euro.


Reality Czech. Deutsch-tschechische Literaturbegegnung

Das Berliner Literaturhaus Lettrétage e. V. und das Zentrum für tschechische Literatur an der Mährischen Landesbibliothek planen eine Lese- und Diskussionsreihe mit 12 tschechischen und deutschen Schriftstellern in Berlin. Im Rahmen der dreitägigen Begegnung sollen Prager und Berliner Autoren und Autorinnen gemeinsam mit dem Publikum über aktuelle Bedingungen des Schreibens, die Rolle von Literatur im (kultur-)politischen und gesellschaftlichen Diskurs sowie neue Wege der Literaturvermittlung- und -verbreitung und konkret über neue Performance und Publikationsformate aus Berlin und Prag diskutieren.

Die Zukunftsfonds gewährt für dieses Projekt eine Förderung in Höhe von 7.000 Euro.


Das Thema 2.0 / Der Fall der samtenen Mauer

In seinem zweiten Programm beschäftigt sich das 2018 in Prag gegründete deutsch-tschechische Kabarett – das erste seiner Art - mit dem Thema des Wende von 1989 und der anschließenden Zeit der politischen Transformation bis in die Gegenwart. An dem Kabarett wirken 6 Deutsche und 4 Tschechen mit, die alle selbst Zeitzeugen der Wende sind, aber aus unterschiedlichen Generationen stammen. „Das Thema 2.0“ nimmt mit Humor und Selbstironie und aufgelockert durch Musik die zum Teil immer noch schweren und verschlossenen deutsch-tschechischen sowie auch deutsch-deutschen Beziehungen im Dreiländereck zwischen Böhmen, Sachsen und Bayern aufs Korn.

Der Zukunftsfonds unterstützt das Vorhaben mit einer Fördersumme von 8.000 Euro.


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