20 Jahre Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds

Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds baut Brücken zur Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen

Zwanzig Jahre Arbeit für die Reflexion der schwierigen Geschichte der deutsch-tschechischen Beziehungen, für ihre dynamische Gegenwart und unbelastete und vielfältige Zukunft feiert der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds in diesem Jahr. Am Bauen von Brücken zwischen Deutschen und Tschechen waren bisher mehr als 10.300 gemeinsame Projekte beteiligt, die Menschen beider Länder zusammenbringen und Einblicke in ihre Lebenswelten, Kulturen und Geschichte ermöglichen und vertiefen. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds hat zur Unterstützung dieser Tätigkeiten insgesamt rund 57 Millionen Euro vergeben. Mit mehr als einem Drittel der Gelder unterstützte er den Bereich Schule und Jugend, mit knapp einem Drittel kulturelle Projekte, der übrige Teil floss in die Förderung von Gemeindepartnerschaften und Bürgervereinen, in Dialoge und wissenschaftliche Projekte, die Renovierung von Baudenkmälern, Publikationstätigkeiten und soziale Projekte für nationale und andere Minderheiten. Dem Fonds ist es gelungen, die deutsch-tschechische Zusammenarbeit von der Ebene politischer Erklärungen und Expertenverhandlungen in die Alltagsrealität zu heben und das tagtägliche Leben der Menschen auf beiden Seiten der Grenze in vielen Aspekten zu bereichern. Eine Vielzahl von Projekten wäre ohne die Unterstützung des Fonds nicht zustande gekommen und langfristig nicht durchführbar. Der Fonds zählt so zu den wichtigen Förderern von Kultur und Bildung in Tschechien und hatte nach seiner Gründung auch einen maßgeblichen Anteil an der Entschädigung tschechischer NS-Opfer.

Zwanzig Jahre Arbeit für Verständigung und Zusammenarbeit feiert der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds am 1. und 2. Juni in Anwesenheit bedeutender Persönlichkeiten aus dem politischen und kulturellen Leben Deutschlands und der Tschechischen Republik. Mehr unter www.zukunftsfonds.cz.

„Das Prinzip der gemeinsamen Arbeit von Organisationen und Bürgern beider Staaten an Projekten führt zum gegenseitigen Kennenlernen und schafft eine gute Atmosphäre, wie es sich bei guten Nachbarn gehört. Die Entstehung und die Tätigkeit des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds fördert das friedliche Zusammenleben mit Deutschland maßgeblich - durch die Unterstützung gemeinsamer Projekte und auch durch die breiten Diskussionen im Deutsch-Tschechischen Gesprächsforum. Vor allem Jugendlichen aus beiden Ländern gibt der Fonds Raum für die Zusammenarbeit,“ bewertet Felix Kolmer die Arbeit des Zukunftsfonds. Kolmer hat Auschwitz überlebt und steht mit seinen 92 Jahren wie kaum ein anderer als Symbol für die deutsch-tschechische Versöhnung und Annäherung.

Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds wurde als Ergebnis der Deutsch-Tschechischen Erklärung vom 21. Januar 1997 von beiden Staaten ins Leben gerufen. Kurz vor dem Jahreswechsel, am 29. Dezember 1997, wurde er nach tschechischem Recht als Stiftungsfonds mit Sitz in Prag gegründet. Seine Tätigkeit, die zunächst auf zehn Jahre angesetzt wurde, nahm er im Frühjahr 1998 auf. In den Jahren 2007 und 2017 beschlossen die Regierungen und Parlamente beider Länder, auch weiterhin in die Zukunft einer guten Nachbarschaft zu investieren und verkündeten jeweils die Verlängerung der Tätigkeit des Fonds um weitere zehn Jahre.

Gleich in der ersten Phase seiner Existenz erfüllte der Fonds eine wesentliche Aufgabe, die Entschädigung der tschechischen Opfer des Nationalsozialismus. Mehr als 7.000 ehemaligen Gefangenen in Konzentrationslagern und Opfern von Rassenverfolgung zahlte er 45 Millionen Euro aus eigenen Mitteln, aus Mitteln des deutschen und des österreichischen Staats und der deutschen Wirtschaft zahlte er Entschädigungen für die Zwangsarbeit ehemaliger KZ-Häftlinge und ziviler Zwangsarbeiter. An 87.000 Opfern von Sklaven- und Zwangsarbeit vergab er insgesamt 8 Milliarden Kronen.

Es folgte eine breite Palette geförderter Partnerschaften, Aktivitäten und Kooperationen, die die deutsch-tschechischen Beziehungen schrittweise auf eine andere Ebene hoben. Das macht Hoffnung auf ein dauerhaftes Wachstum gegenseitiger freundschaftlicher, positiver und konstruktiver Kontakte zwischen beiden Nationen.

Zu den bekanntesten Veranstaltungen im kulturellen Bereich gehören das Prager Theaterfestival deutscher Sprache, die Tschechisch-Deutschen Kulturtage Dresden, das Festival deutschsprachiger Filme Das Filmfest, das Internationale Musikfestival Lípa Musica und die Musikbrücke Prag-Dresden, die das Collegium 1704 jedes Jahr unter der Leitung von Václav Luks baut. Weiter unterstützt der Fonds das Prager Literaturhaus und finanzierte auch die Entstehung einer großen Zahl interessanter Dokumentarfilme und Publikationen, z.B. die tschechische Übersetzung und Herausgabe der dreibändigen, kompletten Biografie Franz Kafkas von Rainer Stach oder die 14-bändige, deutsch-tschechische Ausgabe der gesammelten Werke Vladimír Holans. Der Zukunftsfonds beteiligte sich auch an der Anschaffung von Exponaten für das Museum der Geschichte der Deutschen in den böhmischen Ländern vom Collegium Bohemicum in Ústí nad Labem, am Ausbau der Wissenschaftlichen Bibliothek in Liberec und an der Rekonstruktion der Synagoge in Hartmanice sowie an der Renovierung der Kirche in Neratov.

Neben qualitativ hochwertigen Kulturveranstaltungen liegt der Schwerpunkt der vom Fonds geförderten Projeke vor allem auf der langfristigen Arbeit mit Schulen und Jugendlichen. Die Grundlage dafür bilden dutzende langjährige Schulpartnerschaften. Beispielhaft hierfür steht der Schulverbund Schkola, eine Gemeinschaft deutscher, tschechischer und polnischer schulischer Einrichtungen im deutsch-tschechisch-polnischen Dreiländereck. Ferner fördert der Fonds langfristig die Partnerschaft zweier Schulen in Rumburk und Ebersbach, Studienaufenthalte für Gymnasiasten im Nachbarland und eine Vielzahl weiterer Schulpartnerschaften zwischen Tschechien, Bayern und Sachsen, aber auch weiter voneinander entfernte Verbindungen wie eine seit bereits 20 Jahren andauernde Schulpartnerschaft zwischen Brünn und Darmstadt. Zu weiteren interessanten Projekten zählen die Programme des Koordinierungszentrums Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch Tandem, welche sich auf die Förderung von Praktika für Berufsschüler und Auszubildende im Nachbarland und die Zusammenarbeit deutscher und tschechischer Vorschulen konzentrieren.

Darüber hinaus finanziert der Fonds das Deutsch-Tschechische Gesprächsforum, unterstützt eine Reihe weiterer Diskussions- und Fachforen und arbeitet auf fachlicher Ebene mit anderen Einrichtungen in Deutschland und Tschechien zusammen. Seit 2016 verleiht er auch den Deutsch-Tschechischen Journalistenpreis, mit dem Journalisten ausgezeichnet werden, die differenziert und klischeefrei über das Nachbarland berichten und dadurch zum besseren Verständnis zwischen Deutschen und Tschechen beitragen.

Das „Thema des Jahres“ des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds hat in diesem Jahr die Reflexion der Zukunft der deutsch-tschechischen Beziehungen zum Ziel und die Diskussion über sinnstiftende Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in einer globalisierten Welt. Der Fonds möchte damit Projektantragsteller zur Entwicklung von neuen Ideen und Zukunftsperspektiven motivieren.

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