Tschechiens RegioJet besteht im Konkurrenzkampf mit Flixbus

Schiene statt Straße

An seinen Sommerurlaub 2017 erinnert sich Radim Jančura, Gründer und Chef des tschechischen Fernbusunternehmens RegioJet (ehemals Student Agency), nur ungern. „Ich war richtig deprimiert und das bin ich nicht oft“, vertraute sich der heute 47jährige Unternehmer der tschechischen Tageszeitung Hospodářské noviny an. Über mehrere Liter Wein habe er damals lange darüber sinniert, ob sein Unternehmen mit den knallgelben Reisebussen das Jahr 2017 überhaupt überleben würde.

Der Grund für Jančuras Schwarzseherei war grün: Flixbus war gerade auf dem tschechischen Markt angekommen. Und Jančura war klar, dass das deutsche Fernbusunternehmen mit seinen Dumpingpreisen schon in anderen europäischen Ländern die Konkurrenz überrollt hatte. Innerhalb weniger Jahre hatte es Flixbus geschafft ein weitreichendes Netz aus täglich 250 000 Verbindungen in 1400 Städte in 26 Ländern zu spinnen. Aus seinen Ambitionen, Marktführer auch in Tschechien zu machte Flixbus zudem keinen Hehl: schon am Tag nach ihrer Ankunft fuhren die grünen Busse 17 Städte in der Tschechischen Republik an, bei Fahrpreisen ab 49 Kronen (2 Euro).

Schiene statt Straße

So ganz kampflos wollte sich Jančura der Konkurrenz aus Deutschland aber nicht ergeben. Zwar hatte Flixbus es geschafft, seinen Markteinstieg in Tschechien durch Verspätungen, miesen Service und herumirrenden Busfahrern ziemlich zu verpatzen. Aber Geld ist Geld, und mit den niedrigen Preisen der grünen Konkurrenz, so die Befürchtung des Brünner Unternehmers, würde seine gelbe Flotte nur schwer mithalten.

Heute sind Jančuras schwarze Gedanken vom Sommer 2017 längst verflogen. Zwar musste er einige, weniger ausgelastete Verbindungen, aufgeben. Dafür ist er mit seinem Unternehmen von der Straße auf die Schiene expandiert. Die Konkurrenz von Flixbus, sagt er, hat ihm die Augen geöffnet, neue Wege zu ergründen.

Die führen momentan vor allem von Prag nach Brünn, Ostrava, Bratislava und Wien“. Rund vier Millionen Reisende haben seine, ebenfalls gelben, Züge in einem Jahr insgesamt in diese Städte gebracht. „Jetzt planen wir weitere internationale Verbindungen nach Deutschland, Österreich und Polen und haben auch weitere Länder im Blick“, sagt Jančura.

Auf der Straße sieht es inzwischen so aus, dass Jančura den knapp zehnprozentigen Marktanteil, den er an Flixbus verloren hat, wieder wettmacht. „Mein Dank gilt den Menschen hier, dank ihnen schaffen wir es“, erklärte Jančura im Tschechischen Rundfunk. Auch wenn die Tschechen sonst auf den Preis schauen, glaubt er, seien sie bereit, für den Service, den die gelben Busse bieten, etwas mehr zu bezahlen.

Mit Flixbus ist Jančura aber dennoch nicht fertig. Die Dumpingpreise, mit denen das deutsche Unternehmen den tschechischen Markt erobern wollte, erfüllen den Tatbestand des unlauteren Wettbewerbs, meint Jančura und verklagte die grüne Konkurrenz prompt. Die Rechtsstreit soll in diesem Jahr vor Gericht ausgefochten werden.

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