Brünner Masaryk-Universität feiert ihr erstes Jahrhundert

Mährens erste Alma Mater blickt auf bewegte Geschichte zurück

Gesetz Nummer 50 wurde einstimmig beschlossen: Vor 100 Jahren, am 28. Januar 1919, entschied die Nationalversammlung der Tschechoslowakei, gerade mal drei Monate alt, über die Gründung einer zweiten Universität. Im mährischen Brünn sollte sie entstehen und nach dem Gründervater des jungen Staates, Tomáš Garrigue Masaryk, benannt werden.

Heute hat der feierliche Akt von einst seinen eigenen Hashtag. Hinter #muni100 verbirgt sich ein ganzes Jahr an Feierlichkeiten und Veranstaltungen, die Mährens Alma Mater zu ihrem 100. Geburtstag hochleben lassen: Zeremonien und Slams, Konferenzen und Konzerte. Heute Vormittag nahm der slowakische Präsident Andrej Kiska die Grosse Goldmedaille der Universität in Empfang. Auf eine Einladung ins Auditorium Maximum im Brünner Szeneviertel Veveří wartete Miloš Zeman in Prag dabei vergebens. Der tschechische Präsident und der Rektor der Masaryk-Universität, Mikoláš Bek, liegen seit 2013 im Clinch: Während seines ersten präsidentiellen Brünn-Besuchs 2013 durfte Zeman auf Anweisung von Hausherr Bek nicht auf der Masaryk-Universität sprechen. Im Gegenzug lädt Zeman Bek nicht zu Feierlichkeiten auf die Prager Burg ein.

Politische Plänkeleien, Uni-Rektor Bek wurde im Herbst 2018 mit Unterstützung der Parteien STAN, TOP 09, ODS, Grüne für den Wahlbezirk Brünn-Stadt in den tschechischen Senat gewählt, sind nur Nebenschauplätze in der Jahrhundertgeschichte der Masaryk-Universität. Ihre Akteure, Alumni und Zeitzeugen sind im Rahmen der Jubiläumskampagne Díky, MUNI (Danke, MUNI), die Geschichte zwischen ihnen und der Universität zu erzählen.

Spiegel der Geschichte

In vielem spiegelt die Geschichte der Brünner Universität die der Stadt selbst wider. Erste Erwägungen im Jahre 1905, in Brünn, damals industrielles Zentrum Österreich-Ungarns, eine Universität zu eröffnen, führten zu Unruhen zwischen tschechisch- und deutschsprachigen Brünnern, die eine deutsche Universität forderten. Erst nachdem es am 1. Oktober 1905 zu Zusammenstössen gekommen war, bei denen der tschechische Arbeiter František Pavlík ums Leben gekommen war, lenkten beide Seiten ein: im so genannten „Mährischen Ausgleich“ vereinbarten Tschechen und Deutsche ihre Gleichstellung. Auf eine Universität einigten sie sich aber nicht. Bis zu deren Gründung sollte es noch etwas über 13 Jahre, einen Weltkrieg und den Zerfall eines Kaiserreichs dauern.

Die Gründung der Masaryk-Universität folgte nur drei Monate nach der Tschechoslowakei. Das gewaltsame Ende der Republik sollten die tschechischen Universitäten nur um ein paar Monate überleben. Auch die Masaryk-Universität wurde am 17. November 1939 geschlossen.

Die Zeit der Finsternis, die damit anbrach, endete aber nicht mit der Befreiung am 8. Mai 1945. Mit der kommunistischen Machtübernahme im Februar 1948 mussten 46 Prozent der Studenten der juristischen Fakultät ihr Studium beenden. Zwei Jahre später wurde die Fakultät ganz geschlossen. Von den ursprünglich vier Fakultäten blieben die medizinische, die naturwissenschaftliche und die philosophische. Die pädagogische Fakultät war erst 1946 dazu gekommen.

Im Jahre 1960 wäre die Universität dann fast zu Ehren des ersten kommunistischen Präsidenten Klement Gottwald umbenannt worden. Bis 1990 trug sie aus politischen Gründen den Namen des tschechischen Biologen Jan Evangelista Purkyně. Zurück zu Masaryk fand die Universität erst nach der Samtrevolution.

Heute gilt die MUNI als eine der grössten und beliebstesten Universitäten des Landes: mit über 33 000 Studierenden und 3000 Doktoranden. Sie werden in diesem Jahr Verstärkung von Tausenden von Alumni erwarten können, die ihrer Alma Mater anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten einen Besuch abstatten. Die finden ihren Höhepunkt mit dem Festival MUNI 100 auf dem Brünner Ausstellungsgelände am 15. Juni.

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